Das Schloss Valeyres im Lauf der Geschichte

1945 erwirbt Alphonse Morel das Schloss Valeyres. Sein Sohn Marc-Antoine übernimmt es und gibt das schöne Anwesen seinerseits an die dritte Generation weiter: Abram, Romain und Benjamin. Doch die Geschichte des Schlosses reicht weiter zurück.

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts lassen sich verschiedene Berner Patrizier im Waadtland nieder. Sie kaufen Güter und Bauten, die bis zur Eroberung der Waadt 1536 savoyischen Herrschaften gehörten.

In Valeyres-sous-Rances errichtet die Familie Manuel ihr grosses Anwesen. Baumeister Albrecht Schmid setzt die Initialen AS neben die Jahreszahl 1630 über dem Eingangstor. 

Ein Jahrhundert später wechselt das Schloss den Besitzer. Durch Erbteilung fällt es an die Barone von Bonstetten. Sie gehören zu den einflussreichsten Familien der bernischen Republik. Mit der Geschichte der Waadt sind zwei ihrer Mitglieder eng verbunden: Karl Viktor und Gustav Karl von Bonstetten.

 

Karl Viktor von Bonstetten (1745-1832) leitet von 1787 bis 1793 die Landvogtei Nyon. Vom Gedankengut der Aufklärung beeinflusst, erwirbt er sich gleichzeitig die Liebe seiner Untertanen und die Vorwürfe seiner Regierung. Als Schriftsteller und Philosoph verfasst er unter anderem eine Schrift über die Fähigkeit zu fühlen (Recherches sur les facultés de sentir) und eine Untersuchung über den Zusammenhang von Klima und Kultur: «L'Homme du Midi et l'Homme du Nord ou l'influence des climats». Die Waadtländer verehren Karl Viktor von Bonstetten als wahren Patriarchen. Karl Hilty, der freisinnige Geschichtsschreiber der helvetischen Republik, nennt ihn den besten Vogt des alten Bern, weil er oft den Mut hatte, sich der Regierung zu widersetzen. Nach der Unabhängigkeit der Waadt emigriert Bonstetten nach Dänemark, ohne aber seine Güter aufzugeben. Das Schloss Valeyres wird weiterhin von der Frau und den beiden Söhnen bewohnt.

 

Karl David, der überlebende, nimmt am Anwesen grosse Veränderungen vor. Anstelle von Reben umgibt ein romantischer Garten das Haus. Die Inspiration kommt aus Rousseaus empfindsamem Roman «La Nouvelle Héloïse». Kleine Bächlein verbinden verschiedene Teiche, daneben gibt es Taxushecken, einen Orangenhain und eine Laubhütte. Von all dem ist heute nur noch eine Linde übriggeblieben, unter der Karl Viktors Frau begraben ist.

 

Um 1820 wird die Südfassade des Schlosses neu aufgerichtet. Massgebend für ihre Gestaltung ist die neoklassizistische Mode. Die Bontettens wohnen in Genf, und dort ist sie en vogue. Nun gibt eine grosse Loggia mit Säulenreihe dem alten Bernerhaus ein italienisches Aussehen. Gleichzeitig wird das Innere umgestaltet: Es entstehen eine Bibliothek und ein ovaler Salon von beeindruckender Eleganz. Trotz dieser Veränderungen aber steht das Gut meisternteils leer. Die Familie benutzt es nur zur Sommerfrische. Nach der Weinlese werden die Läden jeweils wieder geschlossen.

Die zweite grosse Persönlichkeit der Familie ist Gustav Karl von Bonstetten, Karl Davids Sohn (1816-1829). Als Archäologe leitet er in der Westschweiz zahlreiche Ausgrabungen. In Orbe entdeckt er das berühmte römische Mosaik. Ironischerweise bleiben ihm aber die grossen Fresken an den Wänden seines Schlosses verborgen.

 

 

2004 übergibt Marc-Antoine Morel das Anwesen seinen Söhnen Abram, Romain und Benjamin. Sie unterziehen das Schloss daraufhin einer grossen Renovation.


Références:

Catherine Schmutz Nicod et Valentine Chaudet, Étude historique et architecturale du château de Valeyres-sous-Rances, "Maison Bonstetten", Service des bâtiments, monuments et archéologie de l'État de Vaud,‎ 2006

Edition Bonstettiana, Doris et Peter Walser-Wilhelm dres phil et h.c. 8953 Dietikon http://www.bonstettiana.ch/